Stehfahrer

Die fundamentale Rolle: aufrechte Haltung

Weil sich im Verlauf der Evolution der menschliche Körper auf die aufrechte Haltung eingestellt hat, spielt sie in der Entwicklung eines heranwachsenden Menschen eine fundamentale Rolle. "Normale" Kinder erwerben diese elementare Fertigkeit in der Regel zwischen 12 und 18 Monaten:

  • zuerst kommt die Kopfkontrolle,
  • dann die aufrechte Haltung im Sitzen,
  • daraus folgt die Fortbewegung durch Krabbeln und
  • schließlich das selbstständige Stehen und Laufen etc.

Die enorme Bedeutung dieser sukzessiven Aufrichtung kommt aus der damit verbundenen Stimulation des Vestibulums (Gleichgewichtsorgan). Durch sie lernen Kinder die räumliche Wahrnehmung und die Steuerung ihrer Aktivitäten:

  • oben/unten
  • hinten/vorne
  • Seitenregulierung
  • Gleichgewichtskontrolle
  • Reflexkontrolle und in der Folge daraus den Aufbau eines regulierbaren Muskeltonus

Sie lernen sich kontrolliert und zielgerichtet zu bewegen – auch wenn sie bis dahin noch häufig auf die Nase plumpsen werden.

 

Wass passiet wenn...

... diese Stimulation des Vestibulums fehlt? Es kommt nahezu zwangsläufig zu vielen Beeinträchtigungen, die man (abhängig vom Krankheitsbild!) durchaus vermeiden, oder wenigstens mindern könnte:

  • Seitendominanz (Parallelausrichtung, keine diametrale Orientierung und Aktivität möglich)
  • Reflexüberlagerung (willkürliche und/oder unkontrollierte Bewegungsmuster)
  • massiv beeinträchtigte Wahrnehmung sowohl im räumlichen wie im sensorischen Sinn (das Kind kann seine Extremitäten nur bedingt zu sich gehörend zuordnen und sie gezielt als „Werkzeug“ einsetzen)

Die Klinischen Konsequenzen sind die Gefahr von Skoliosen, Dekubiti, Traumata, Spasmen, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel und/oder Verdauungs-Insuffizienzen etc.

Basis der geistigen Entwicklung

Gleichzeitig wird mit dem Aufbau der physischen Kontrolle im Gehirn die Rezeption und Interpretation sensorischer Ereignisse erlernt, wodurch wiederum die abstrahierenden und planenden Fertigkeiten des Kindes gestartet werden – die Basis für alle Formen seiner geistigen Entwicklung. Nicht umsonst spiegelt sich dieses Phänomen in unserer Sprache wieder, wenn wir motorische Begriffe für geistige Aktivitäten verwenden:

  • be-greifen
  • ver-stehen
  • be-halten
  • ver-werfen
  • er-fassen
  • er-fahren

Wenn aber einem Kind diese Entwicklungsschritte durch seine Behinderung versagt sind, braucht es ein Hilfsmittel, das im ersatzweise diese funktionsähnlichen sensorischen Wahrnehmungen ermöglicht: nämlich Mobilität bei gleichzeitiger aufrechter Haltung.

Der Pablo mini!

Pablo mini unterstützt das Konzept der Frühförderung einer entwicklungsorientierten Mobilisierung und trägt entscheidend zur Prävention vieler Folgeschäden eines nicht stimulierten und nicht intakten Vestibulums bei. Ein weiterer, ebenso wichtiger Aspekt im Rahmen der Aufrichtungstherapie ist die Interaktion. Einzig durch sie erlebt ein Kind sein Umfeld, kann sich ausrichten (orientieren) und lernt durch die Auseinandersetzung sich selbst als Wesen und seine eigenen Mittel und Fertigkeiten einzuschätzen. Dazu muss das Kind seinen Spielgefährten aber folgen können – am besten auf Augenhöhe. Denn ein Kind, das außen vor bleibt, kann nicht teilhaben, weil es sich nicht mitteilen kann. Deshalb ist Interaktion die Voraussetzung für Integration und Pablo mini im wahren Wortsinn das Hilfs-Mittel dafür.

Diagnostik:

Pablo mini ist als Hilfsmittel besonders indiziert z.B.:

  • bei allen Formen von vorhandenen oder drohenden Wahrnehmungsdefiziten
  • bei vorhandener oder drohender muskulärer Rumpfhypotonie
  • bei allen Formen von vorhandener oder drohender Hypotonien
  • bei infantiler Cerebralparese (ICP)
  • bei Spina bifida (SB)
  • bei Osteogenesis Imperfekta (OI)
  • bei spinaler Muskelatrophie (SMA)
  • bei Meningomyeloencephalitis (MME)
  • zur Aktivierung der Rückenstrecker und Nackenmuskulatur
  • zur Regulierung von Dyskinese
  • zur sensorischen Integration.

Therapeutische Effekte:

Pablo mini ist ein aktivierender Stehfahrer. Denn Pablo mini:

  • stimuliert das Vestibulum als Conditio vieler folgender Entwicklungsschritte
  • ermöglicht funktionsähnliche sensorische Wahrnehmungen der aufrechten Haltung
  • bietet den Kindern die Möglichkeit, die ihnen die Behinderung verweigert
  • fördert die Ausbildung autonom kontrollierter Bewegungsmuster als Fundament für die Entwicklung einer differenzierten Feinmotorik
  • fördert die Reflexsteuerung
  • vermindert und/oder verhindert damit Reflexüberlagerungen
  • fördert die Ausbildung von Wahrnehmungsmustern als Basis für Kommunikation und Interaktion
  • fördert einen regelgerechten Gesamt-Muskeltonus
  • trainiert zusätzlich die Nacken- und Schultermuskulatur auf
  • stimuliert und trainiert das Herz-Kreislaufsystem, die Verdauung und den komplette Stoffwechsel.

Quelle: Bernhard Wendel, SORG Rollstuhltechnik GmbH + Co. KG

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SORG Rollstuhltechnik GmbH + Co. KG
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Bildquelle: Sorg Rollstuhltechnik GmbH & Co.KG
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